Lassen wir uns unsere Prinzipien so einfach wegnehmen?
Und plötzlich hört der Blogpost einfach auf und dass, obwohl es geradezu nach einem Rundumschlag mit der Moralkeule schreit....
Zu obigem eine kleine Geschichte, die ich am Wahlsonntag auf der Piratenfeier erlebt habe: Da kam ein junger Herr im Piratenshirt auf mich zu - nennen wir in Hans - und es begann eine längere Diskussion. Hans erklärte mir, dass er gerne zur LTW in NRW als Kandidat antreten wolle, da er sich als langjähriger Versicherungsvertreter gut verkaufen könne und mit seinem Wissen über die "Gewalttäterdatei Sport" sicher sehr viele Menschen anspricht. Im Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass er erst seit gut einem Monat bei den Piraten dabei ist und sich sein Wissen über die GTD Sport im wesentlichen auf ihre Existenz und ein paar Anekdoten beschränkt. Dennoch versicherte er mir, dass er sich bereits ausführlich über die Rechte und Pflichten eines Landrates informiert hat und er sei bereit sich dem zu stellen.
An dieser Stelle müsste ich schon sagen "was für eine Katastrophe!" aber ich möchte es noch etwas ausführen.
Meiner Meinung nach sollte ein gewählter Vertreter einer Partei besonders die Partei und ihre Ziele verkaufen können. Entgegen der Medienmeinung haben die Piraten sehr viele und vor allem komplexe Themen und es bedarf einiger Zeit sich da einzuarbeiten.
Ich kann nur bestätigen, dass mit der Mitgliederschwemme und medialen Aufmerksamkeit auch einige seltsame Gestalten in die Partei gekommen sind, die es mehr oder minder offen auf einen gut-bezahlten Posten abgesehen haben aber ohne die erwünschte Parteiideologie.
Ich bin sehr froh darüber, dass wir bei der BTW keine 5%+X bekommen haben, da die gewählten Vertreter damals mit dem Gedanken aufgestellt wurden, dass sie eh nicht gewählt würden. Meiner Meinung nach ist die Partei noch sehr jung und es muss noch vieles Intern geklärt und bereinigt werden, bevor man als geschlossene Partei mit gemeinsamen und starken Zielen Politik machen kann. Im Moment reicht es mir völlig, wenn die anderen Parteien uns als Konkurrenten anerkennen und die Situation um unsere Themen nicht weiter verschlimmern, wenn sie nicht weiter Wähler an uns verlieren wollen.
Ich bin auch froh darüber, dass der Landesparteitag in NRW geplatzt ist, da ich zum einen keine Zeit hatte, diesen zu besuchen und zum anderen die Aufstellung von Kandidaten für die LTW im März 2010 gerade in der turbulenten Zeit vor der Bundestagswahl nicht mit der Sorgfältigkeit angegangen wurde, wie es zu wünschen gewesen wäre. Ich will keine Kandidaten die nur mit einer Kombination aus "wenn es sonst keiner macht" und "warum eigentlich nicht?" antreten und, wie oben beschrieben, im schlimmsten Fall nur nach einem bequemen Sessel Ausschau halten. Luftblasenpolitiker gibt es in den anderen Parteien schon genug. Ich will endlich eine Alternative. Ich will, dass die Piraten diese Alternative sind.
Wenn es schon Hierarchien geben muss, dann bitte Kompetenzhierarchien!
Ich habe ein eklatantes Problem damit, Leute "über" mir zu wissen, denen ich eine geringere Kompetenz als mir selbst zutraue. Von daher bin ich überaus zufrieden mit unserem Oberpiraten Jens Seipenbusch, der bisher in allen von mir auffindbaren Interviews und Berichten zielgenau und wortgewandt die Positionen der Piraten darlegt. Daher stimme ich mit Frank Schirrmacher überein, wenn er ihn einen Intellektuellen von Format nennt.
Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt, der "Intellektualität"
Offensichtlich liegt mir das selbst als baldiger Ex-Student sehr am Herzen endlich eine politische Vertretung gefunden zu haben, die nicht nur auf Bild-Niveau argumentiert und regiert. Es mag zwar sein, dass man unter Fußballfreunden mit dem Thema Gewalttäterdatei Sport punkten kann, aber ich bin nicht der Meinung, dass wir als Partei wirklich jeden Ansprechen müssen. Es mag zwar sein, dass unser Programm für die BTW sehr knapp war, aber das heißt nicht, dass wir jetzt zu jedem Thema eine Luftblase in den Raum stellen müssen. Lieber mit Zeit und Sorgfalt ein Thema nach dem anderen ausarbeiten und nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten untermauern. Das heißt insbesondere den gewünschten Effekt sowie die Machbarkeit des Programmpunktes fundiert belegen zu können.
Die heutige Welt ist meines Erachtens zu komplex um sie nur mit Instinkten bedienen zu können.
Für die (nahe) Zukunft der Piratenpartei wünsche ich mir daher erstmal keine 5%, sondern dass die 4 Jahre genutzt werden um die Strukturen innerhalb der Partei zu verbessern. Die 2% der BTW waren ein Achtungserfolg der mit Sicherheit ausbaubar ist und daher das Beste, was den Piraten passieren konnte.
My 2cents
Für den nächsten Eintrag gelobe ich Besserung was Struktur, Tiefe und Fundiertheit angeht, aber ich bin gerade etwas unter Zeitdruck.

